Ich habe 2015 mit JT65 angefangen und auch ein paar Monate primär JT9 gemacht. Es kamen so mehrere Tausend QSOs zusammen. Anfangs ging es dort sehr gesittet zu und die empfangenen Signale waren allesamt sehr sauber. Für mich war das damals die ideale Betriebsart, um mit meinem FT-817 und 5W "ungestört" mit QRP schöne Verbindungen zu machen. Irgendwann kamen dann die dicken Stationen mit immer mehr Leistung dazu. Man konnte sagen, dass das Spektrum mit zunehmender Leistung unsauberer wurde.

Rein technisch ist es natürlich möglich, auch mit hohen Ausgangsleistungen ein sauberes Signal zu senden. Ich habe das Gefühl, dass seit der FT8-boom eingesetzt hat, einfach nur drauf los gefunkt wird, ohne dass die wichtigen Einstellungen geprüft werden. Damit aber überhaupt etwas geprüft werden kann, sollte man wissen, was man tun muss.

Dieser Beitrag soll dabei helfen, ein sauberes Signal in FT8 zu senden. Das freut nicht nur die anderen Funkteilnehmer, da deren Gegenstationen nicht platt gebügelt werden, sondern führt dazu, dass das eingene Signal besser decodiert wird. Zum einen ist es so nicht verzerrt, zum anderen wissen wir, dass ein schmalbandigeres Sigal effizienter ist, als ein breitbandigeres.

Hier sieht man ganz links ein Signal aus Schweden und rechts ein paar andere aus der EU die in Ordnung sind:

PWR ALC Schieberegler WSJT X FT8 4

Wichtig ist immer, egal welcher Transceiver verwendet wird, dass die ALC nur maximal soweit ausschlägt, bis der TRX einregelt. Das kann je nach Hersteller und Gerät ein anderer Wert sein. Daher im Zweifel einfach in die Anleitung schauen.

Mann kann aber auch einfach folgendes machen:

Man nimmt die gewünschte Sendeleistung und geht mit der Audio Ansteuerung ("Pwr", ganz rechts der Schieberegler in WSJT-X) soweit runter bzw. hoch, bis die ALC nicht mehr regelt, also in der Regel keine Balken mehr anzeigt. Man stellt den TRX vorher natürlich so ein, dass die ALC im Display des TRX angezeigt wird.

PWR ALC Schieberegler WSJT X FT8

So findet man meist schon die beste Einstellung.

Am IC-7300 sieht es so aus, wenn die ALC "gut" ist. RF Power war in dem Beispiel 75% was ca 60W entsprechen mit sauberer Ansteuerung.

PWR ALC Schieberegler WSJT X FT8 2

So sollte es auf keinen Fall aussehen. Massiv übersteuerte ALC --> absichtlich übertrieben. Mit katastophaler ALC kommen unsaubere 70-75W raus:

PWR ALC Schieberegler WSJT X FT8 3

Hier ein treffendes Zitat aus dem FT8 Digital Mode Club:

FT8 is a low signal mode, not necessarily a low power mode. Use whatever power is needed to have the QSO, but be sure that your signal is clean. Rule of thumb: NO ALC reading.

Bei meinem FT-450 musste ich die ALC eigentlich nach jedem Bandwechsel und jeder Leistungsanpassung ändern. Beim IC-7300 ist das etwas einfacher geworden. Evtl. wird da die interne Soundkarte anders "eingeregelt" oder es hat einfach mit dem anderen Mechanismus zu tun.

Gem. der "FT-8 Arbeitsanleitung", die auf dem Server von C09 liegt, verwendet ICOM die ALC zur Leistungssteuerung. [49 Seiten - Lesetipp!]

Das Kapitel "4 Wichtig: Sendepegel" ist besonders hervorzuheben und sollte unbedingt gelesen werden.

So heißt es:

Stelle die Sendepegel so ein, dass die gesamte Kette von der NF-Erzeuung bis zur HF-­Aussendung linear arbeitet.    

und

Prüfe deinen Trx, das Soundsystem und die Software im Betrieb mit Hilfe eines kompetenten Hams, der Dir eine ehrliche Rückmeldung gibt, oder durch Beobachtung deiner Sendung mit einem Web-SDR beim systematischen Einstellen und mache dir entsprechende Notizen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch:

wenn Dein Signal zu stark ist, kann es unsauber sein und kann Empfänger und Audiokarten am DX-­‐Ende überlasten, was verhindert, dass Dein  Signal einwandfrei decodiert wird.

Schreibt mir gerne in die Kommentare, falls ihr noch Tipps zum Thema ALC und FT8 oder Digimodes habt.


Kommentare  
+1 # Wolfgang OE1MWW 2022-06-07 14:21
Der alte Mythos 'no ALC'... FT4/FT8 hat während der Aussendung einen konstanten Audio Pegel. Die ALC regelt die Aussteuerung der Endstufe. Beim SSB Betrieb wird dauernd von null auf hundert mit der ALC geregelt, dort kann es dann, bis die ALC verzögert einsetzt, zu Verzerrungen kommen. Das ist im digitalen Modus nicht der Fall. Daher ins Manual schauen, dort steht, was max. ALC erlaubt ist - und nicht mehr. Bei jedem TRX kann diese ALC Einstellung unterschiedlich sein. Manche TRX, wie der KX3, die brauchen sogar einige 'bars' an ALC für den digitalen Betrieb. Laut Bedienungsanleitung des IC-7300 sollte man nicht über den roten ALC Bereich hinausgehen, erst dann wird zuückgeregelt - aber auch noch nicht verzerrt.
73's de OE1MWW
Wolfgang
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-1 # Erich Danke 2020-04-15 19:29
Hallo,OM`s Für FT8 verwende ich folgendes Equipment: IC 7400 in Verbindung mit einem USB Interface II.Das alles läuft recht ordentlich bis auf die Einstellung der ALC.Um die ALC ordentlich einzustellen muß man ja mit dem rechten Powerschieber die ALC bis auf einen Balken zurückzunehmen.Dabei wird auch die Sendeleistung reduziert,bis fast auf Null.Also liegt das Problem sicher beim IC 7400.Kann man da eine Erklärung finden?Vielen Dank fürs lesen.Vy 73 de Erich DL1JEK
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+1 # William O. Robertson 2019-03-25 20:01
Great article. It is always good to be reminded of the importance of having a low or no ALC to prevent any RF splatter while using the digital modes.
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+2 # Ekki 2019-03-25 19:31
Oje, sehr wichtiger Hinweis, danke dafür. Was auf 2m teilweise an Signalen zu sehen ist spottet jeder Beschreibung.

73,
Ekki, DF4OR
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